Energetische Referenzdaten als Sicherheitsanker im Rechenzentrum

Forschung

Was passiert, wenn in einer kritischen Situation Sekunden zählen – aber niemand mit Sicherheit sagen kann, welcher physische Server tatsächlich betroffen ist?

Und wie lässt sich verhindern, dass ein sicherheitsbedingter Eingriff selbst zum Auslöser größerer Schäden wird?

In hochdynamischen Rechenzentrumsumgebungen entsteht genau hier ein zentrales Spannungsfeld zwischen technischer Komplexität, unvollständiger Transparenz und operativer Verantwortung.

Moderne Rechenzentren sind stark virtualisiert, softwaredefiniert und eng miteinander vernetzt. In sicherheitskritischen Lagen – etwa bei schwerwiegenden Systemanomalien, Fehlfunktionen oder unklaren Gefährdungsszenarien – kann es notwendig werden, einzelne physische Systeme gezielt und kontrolliert vom Netz zu nehmen. Solche Kill-Switch-Entscheidungen dienen dem Schutz von Infrastruktur, Daten und angebundenen Services, bergen jedoch erhebliche Risiken.

Gerade in virtualisierten Umgebungen sind diese Eingriffe besonders anspruchsvoll. Virtuelle Maschinen und Services sind nicht eindeutig an einzelne physische Server gebunden, während Dokumentationen, DCIM-Systeme und logische Infrastrukturmodelle durch manuelle Änderungen oder dynamische Umkonfigurationen von der realen Situation abweichen können. Unter Zeitdruck und bei unvollständiger Informationslage steigt so die Gefahr von Fehlentscheidungen – mit potenziell gravierenden wirtschaftlichen, betrieblichen und haftungsrechtlichen Konsequenzen.

Vor diesem Hintergrund hat aixit im Rahmen eines internen wissenschaftlichen Innovationsvorhabens untersucht, wie sich hochaufgelöste energetische Messdaten physischer Server als verlässliche, physikalische Referenz nutzen lassen. Ziel war es, energetische Signaturen einzelner Systeme als eine Art „Sicherheitsanker“ einzusetzen, um logische Infrastrukturmodelle mit dem tatsächlichen Systemverhalten abzugleichen und Fehlzuordnungen zwischen dokumentierter und realer Infrastruktur frühzeitig zu erkennen.

Der entwickelte Forschungsansatz kombiniert kontinuierliche Energiemessungen auf Server- und Rack-Ebene mit analytischer Modellbildung und realitätsnahen Testszenarien. Im Unterschied zu klassischen Sicherheits- und Monitoringansätzen, die primär auf softwarebasierte Zustandsinformationen und Anomalieerkennung setzen, entsteht so eine zusätzliche Sicherheitsebene auf physikalischer Grundlage. Diese erhöht die Transparenz komplexer Infrastrukturen und reduziert die Risiken bei sicherheitskritischen Eingriffen signifikant.

Die Ergebnisse des Vorhabens zeigen, dass energetische Referenzdaten einen belastbaren Beitrag zur Absicherung operativer Entscheidungen leisten können – insbesondere dort, wo Zeitdruck, Systemkomplexität und Unsicherheit zusammentreffen. Damit unterstreicht aixit auch in diesem Themenfeld den Anspruch, Innovation praxisnah, datengetrieben und mit klarem Fokus auf reale Betriebs- und Sicherheitsanforderungen voranzutreiben.

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Ein Tablet zeigt eine technische Netzwerkgrafik vor einem geöffneten Server-Rack in einem modernen Rechenzentrum.
Energetische Signaturen als physikalischer Sicherheitsanker: Abgleich von logischer Infrastruktur und realem Systemverhalten.